Babys: Das Sehen kommt vor dem Sprechen

Ein Baby erschließt sich die Welt zuerst durch das Sehen. Es blickt um sich, ist mit seinem Blick ständig in Bewegung und richtet ihn auf Dinge um sich herum. Durch zusätzliche Berührung wird zum Betrachteten eine Beziehung aufgenommen.

Sehen heißt Auswählen. So nehmen wir nur das wahr, was wir betrachten. Wie wir etwas sehen, wird beeinflusst durch unser Wissen und unseren Glauben. Das Sehen bestimmt so, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und welchen Platz wir in ihr haben bzw. haben wollen. Aber wie entwickelt sich das Sehen? Können wir von Anfang an sehen? Dazu folgende Entwicklungsschritte des Sehens, die allerdings bei jedem Kind zeitlich unterschiedlich verlaufen können.

Entwicklungsschritte des Sehens

Babys können von Geburt an sehen. Das Sehvermögen ist aber noch nicht sehr ausgeprägt. Ein Baby sieht am Anfang alles sehr verschwommen. Erst in den nächsten zwölf Monaten entwickelt sich die Sehfähigkeit voll. Diese Entwicklungsschritte sind wichtig. Sie führen unter anderem dazu, dass das Baby neue Bewegungsabläufe, wie zum Beispiel das Sitzen, Herumrollen, Krabbeln und schließlich das Laufen erlernt.

Neugeborenes: Verschwommenes Sehen

Neugeborene sehen bei der Geburt sehr unscharf. Schließlich konnten sie im Bauch der Mutter das Sehen nicht trainieren. Somit ist das Erste was ein Baby kann, hell und dunkel zu unterscheiden. Nach einigen Tagen lernt das Baby immer mehr seine Augen einzusetzen. Es kann nun bis zu circa 25 Zentimeter scharf sehen. Alles was hinter diesem Bereich liegt, bleibt für das Baby zunächst verschwommen.

Tipp zum Sehen bei Neugeborenen

Für das Baby ist alles interessant, was sich in seiner unmittelbaren Nähe abspielt. Somit ist es wichtig, dass sich die Mutter und der Vater, aber auch Oma und Opa möglichst nahe bei ihm aufhalten. So kann es die Gesichter, zum Beispiel beim im Arm halten studieren. Etwas später empfiehlt es sich zusätzlich damit anzufangen, große schwarz-weiße Gegenstände, die starke Kontraste aufweisen, in der Nähe des Babys zu zeigen. Farben spielen für das Baby in diesem Zeitraum noch keine so große Rolle, obwohl es Farben von Anfang an erkennen kann. Unterschiede in den Farbschattierungen, wie zum Beispiel rot und orange, sind noch zu schwierig für das Baby.

Zweiter bis dritter Lebensmonat: Bewegungen verfolgen und Fixierung von Gegenständen stehen im Vordergrund

Jetzt wird es spannend. Um den zweiten/dritten Lebensmonat fängt das Baby an, Bewegungen zu verfolgen und Gegenstände in der Nähe zu fixieren. Am Anfang braucht das Baby noch ein bisschen Zeit, um mit beiden Augen zu fokussieren. Die Augen wandern meist etwas herum, denn dass Babys muss erst einmal lernen, sie synchron zu benutzen. Auch das Verfolgen von Gegenständen wird zunehmend besser. Dabei bevorzugt das Baby langsames hin und her bewegen mit kurzen Stopps, um den Gegenstand näher zu betrachten. Farben können auch immer besser unterschieden werden, sodass nach und nach farbiges Spielzeug interessant wird.

Tipp zum Sehen im zweiten und dritten Lebensmonat

Am Anfang empfiehlt es sich eine Rassel zu benutzen. Zum einen interessiert sich das Baby für den Gegenstand als solches, aber auch das Rasseln wird wahrgenommen. Weiterhin reicht immer noch das Gesicht zum Beispiel der Mutter oder des Vaters, um das Sehen zu trainieren. Man kann etwa erst das Baby tief mit seinen Augen anschauen und dann den Kopf wegdrehen. Das Baby hält meist an den Augen fest und schaut beim Kopfdrehen nach. Auch das Grimassen machen wirkt. Später kann das Sehen etwa durch Bilder, Fotos, Bücher und Spielzeug in schwarz-weiß und auch in leuchtenden Farben gefördert werden.

Vierter bis sechster Lebensmonat: Entwicklung der Hand-Mund-Augen-Koordination

Ab ungefähr dem vierten Monat konzentriert sich das Baby auf die Entwicklung der Hand-Mund-Augen-Koordination. Es versteht, dass das Gesehene auch berührt und danach gegriffen werden kann. Das Baby greift zum Beispiel nach den Haaren oder auch den Ohrringen, die nun sicherheitshalber entfernt werden sollten. Das neue Verständnis von Raumtiefe führt dazu, dass immer besser auch kleine Gegenstände gesehen und in ihren Bewegungen verfolgt werden können. Die Unterscheidung in den Farbschattierungen, wie zum Beispiel bei den Pastelltönen, wird für das Baby immer deutlicher.

Tipp zum Sehen im vierten bis sechsten Lebensmonat

Mit dem Baby können zusätzlich zu den oben genannten Seh-Tipps kleinere Versteckspiele gemacht werden. So empfiehlt es sich die Rassel oder anderes Spielzeug nur zum Teil dem Baby zu zeigen. Es wird diese nach und nach erkennen lernen und seine Freude durch ein Lächeln zum Ausdruck bringen. Die Neugierde kann ferner durch kontrastreiches Spielzeug oder Gegenstände aus dem Haushalt, wie zum Beispiel einem Rührlöffel aus Silikon oder einer Kelle in leuchtenden Farben, geweckt werden. Auch ein Mobile mit seinen Farben und verschiedenen Formen wird gern von Babys angenommen und unterstützt die Hand-Mund-Augen-Koordination.

Siebter bis neunter Lebensmonat: Entwicklung der Weitsicht

Die Sehschärfe und Tiefenwahrnehmung wird beim Baby immer besser, sodass es Menschen und Gegenstände am anderen Ende des Raumes erkennt. Das Verfolgen von schnellen Bewegungen sollte für das Baby leicht möglich sein. Es kann auch kleinste Gegenstände greifen. Zum Ende des neunten Lebensmonats kristallisiert sich auch die Augenfarbe heraus, die das Baby behalten wird. Nun kann mit den Eltern verglichen werden, von wem das Baby die Augenfarbe hat.

Tipp zum Sehen im siebten bis neunten Lebensmonat

Die Neugierde des Babys zum Sehenlernen kann bereits dadurch geweckt werden, dass aus weiter Entfernung gewinkt oder gerufen wird. Dazu kann man an das andere Ende des Raumes gehen, es rufen, ihm zuwinken und langsam auf das Baby zu kommen. Auch sollte man dem Baby mehre Gegenstände anbieten, aus dem es wählen kann. Dies trainiert nicht nur das Sehen, sondern hilft dem Baby, sich durch das Greifen nach dem Gegenstand verständlich zu machen.

Zehnter bis zwölfter Lebensmonat: Fast geschafft

Ab circa dem zehnten Lebensmonat ist die Sehschärfe und Tiefenwahrnehmung des Babys fast genau so gut wie bei einem Erwachsen entwickelt. Das Baby ist nunmehr in der Lage seine Augen kontrolliert zu steuern, Gegenstände oder Personen in der Nähe oder Ferne zu fokussieren und einzelne Details zu erkennen. Damit wird alles für das Baby, ob nah oder fern, interessant.

Tipp zum Sehen im zehnten bis zwölften Lebensmonat

Für das Baby wird es viel wichtiger nach draußen zu gehen und die Welt für sich zu entdecken. Dieses Entdecken des Sehens sollte mit kleineren Pausen unterbrochen werden. Das Baby ist noch nicht in der Lage sich auf eine Sache zu konzentrieren, sondern nimmt die Welt um sich als Ganzes wahr. Dies kann sehr anstrengend für das Baby sein. Die Pause ermöglicht es, auch das Gesehene zu verarbeiten.

(aw)